"Beethovenzyklus"
mit
Constantin Graf von Walderdorff, Bariton
&
Jochen Köhler, Klavier
BEETHOVENS LIEDER
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Die überragende Bedeutung Beethovens als Symphoniker, als Klavier- und als Kammermusikkomponist bringt es mit sich, dass seine Vokalwerke weniger im Blickpunkt der musikalischen Öffentlichkeit stehen. Zwar werden einige der bekanntesten Lieder gelegentlich aufgeführt, und der Zyklus An die ferne Geliebte ist fester Bestandteil des Repertoires vieler Sänger, doch als Ganzes ist Beethovens Liedschaffen vielen Musikfreunden kaum geläufig.
Das ist überaus schade, denn Beethoven hat neben einigen Gelegenheitswerken eine große Zahl außergewöhnlich schöner und höchst bedeutender Kompositionen für eine Singstimme und Klavier hinterlassen. Dieses Feld seines Schaffens erlaubt zudem einen faszinierenden Blick in die Werkstatt des Meisters, der sich während seines gesamten Wirkens immer wieder mit der Liedgattung beschäftigt hat. Dabei berücksichtigte er eine Vielzahl von Formen: unter seinen Werken finden sich Strophenlieder, Arietten, längere Gesänge, arienartige, dramatische Szenen und schließlich zyklisch angelegte Werkreihen. Wenig bekannt ist, dass Beethoven auch fremdsprachige Textvorlagen vertont hat hauptsächlich aus dem Italienischen, aber auch aus dem Französischen und Englischen.
Inhaltlich schreiten die Vokalkompositionen Beethovens einen weiten Kreis des menschlichen Lebens aus. So gibt es religiöse Gesänge neben Liebesliedern, Scherz- und Spottlieder stehen neben gedankenschweren Kompositionen, die sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzen, kurz: die von Beethoven gewählten Texte vermitteln einen sehr direkten, unmittelbaren und äußerst abwechslungsreichen Zugang zum Denken und Fühlen des Meisters und seiner Epoche.
Dass Beethovens Lieder nicht öfter zu hören sind, hat sicher auch mit den oft beträchtlichen Schwierigkeiten zu tun, vor die sie ihre Interpreten stellen. Für den Komponisten stand stets der künstlerische Ausdruckswille im Zentrum, niemals die bequeme Ausführbarkeit. Bekannt ist sein Ausspruch Was geht mich seine elende Geige an zum Violinisten Schuppanzigh, der sich über eine schwer spielbare Stelle beklagte. Auch in seinem Vokalschaffen konfrontiert Beethoven die Ausführenden mit Herausforderungen besonderer Art: die oft instrumental angelegte Stimmführung, diffizile Temponuancierungen und harmonische Kühnheiten erfordern ein hohes Können der Interpreten.
Gibt es einen besonderen Grund, Beethovens Liedschaffen gerade jetzt umfassend zu würdigen? In einer Zeit, die sich immer stärker des besonderen Anlasses (wie z. B. eines runden Geburts- oder Todestages) bedient, um etwas Ausgefallenes als Event zu präsentieren, scheint es angebracht, daran zu erinnern, dass das wirkliche Ereignis im Erleben der Musik selbst besteht, nicht im Genuss ihrer Verpackung. Und dafür, dass ein solches Musikerlebnis beglückend und bereichernd ist, gibt es keinen besseren Garanten als Beethoven.